Geschichte des Judos
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Es war der deutscher Medizinenprofessor, Erwin Baelz (1876-1902 an der Universität von Tokyo), der entscheidend mithalf, das in Vergessenheit geratende Jujutsu neu zu beleben. Zuerst studierte er unter Meister SAKAKIBARA das Ken-Jutsu, bis er den Jujutsu-Lehrer TOTSUKA kennen lernte. Baelz war von der Agilität des 70-jährigen Meisters so beeindruckt, dass er beschloss, diese Kampfkunst selbst zu lernen und seinen Studenten beizubringen.
Dr. Baelz stärkste Kraft, war dabei der Uni Student und Schüler Jigoro Kano. Ihm missfiel jedoch der sehr kriegerische Aspekt des Jujutsu und die Härte in seinen Aktionen, durch welche die Übungen viele Verletzungsgefahren enthielten und die weichen Aspekte nicht voll zu Geltung kamen.
Gründung des Judo
Zur Gründungszeit befand sich Japan in einer geistigen Strömung, in der sich die meisten Menschen gegen traditionellen Gebräuchen auflehnten. Das Jujutsu erfuhr seinen Niedergang, die klassischen Lehrer wurden nicht mehr respektiert und standen vor dem sozialen Ruin. In dieser Situation wollte Jigoro Kano den Kampfkünsten erneut einen Platz als japanische Kampfkunst einräumen.
1881 ging Kano offiziell von der Uni ab, blieb aber noch ein Jahr für weitere Studien. im Febr. 1882 zog er nach Eishoji im Stadtteil Shitaya von Tokyo und gründete in einer Halle den Tempels des :
Kodokan > Schule zum Studium des Weges
Sein Ziel war Charakter- und Persönlichkeitsbildung durch Budo.
Der Kodokan
Kanos erster Schüler schrieb sich am 5. Juni 1882 ein. Im August gab es bereits 6 Schüler, der bekannte Saigo Shiro hinzukam.
1893 zog Kano zweimal in ein neues Quartier um. Das gesamte Dojo bestand zu dieser Zeit aus 8-10 Übenden. Erst 1884 konnte Kano ein größeres Dojo, mit 20 Tatami bauen. Die Zahl der Schüler stiegt 1885 auf 54 an. Im Mai 1885 erging die erste Herausforderung an den Kodokan, seitens der Tokyoter Polizeischule. Der Kodokan wurde durch Saigo Shiro vertreten. Er gewann den Kampf mit einem Wurf, der später Yama arashi genannt wurde. 1886 zog Kano nochmals um, nach Fujimi cho, wo er ein großes Dojo mit 40 Tatami baute. Die ersten ausländischen Schüler, die Brüder Eastlake aus Amerika und danach Prof. Ladd besuchten das Dojo. Unter seinen 99 eingeschriebenen Schülern begannen die Shodan zum ersten Mal den schwarzen Gürtel zum Zeichen ihres Ranges zu tragen. Auf den Urkunden der Schwarzgurte des Kodokan steht Kanos Leitsatz:
Nur durch gegenseitige Hilfen und Zugeständnisse
kann ein Organismus, bestehend aus einer grösseren
Anzahl von Menschen, seine Harmonie finden, be-
wahren und Fortschritte machen.
1889 zog er mit 1.500 Schülern erneut in die Kami Nibancho Region um. Sehr schnell entwickelt sich der Kodokan zum Weltzentrum des Judo. Seit 1962 besteht in Tokyo ein großes Zentrum der Kampfkünste in dem der Kodokan sein neues Domizil fand.
Das Emblem des Kodokan ist die Kirschblüte.
Weltweite Verbreitung des Judo
Bereits 1908 wurde Judo/Kendo Pflichtfach an allen japanischen Mittelschulen. Die neue Sportart fand eine schnelle Verbreitung und bereits 1938 gab es 100.000 Danträger. Die erste Weltmeisterschaft fand 1951 statt und 1952 organisierten sich die Judo Anhänger in der International Judo Federation. 1964 war Judo zum ersten Mal olympische Disziplin.
In Europa wurde Judo erstmals im Jahre 1901 in London vorgestellt.
1906 gelangte es durch die japanische Handelsmarine nach Kiel (noch als Jujutsu bekannt obwohl es schon deutliche Einflüsse Kanos aufwies). Auf Anweisung von Kaiser Wilhelm II. wurden einige japanischen Meister in Deutschland engagiert. Agitaro Ono und vier weitere Japaner führten die ersten Seminare durch. Erich Rahn, ihr bester Schüler, gründete noch im selben Jahr die erste deutsche Schule des Judo/Jujutsu und bemühte sich es landesweit zu verbreiten. Kurz darauf gründete Alfred Rohde, ein Schüler Rahns, seine Jujutsu Schule. Beide revidierten sie das Jujutsu und passten es dem Judo an, um wettbewerbsfähig zu machen.
